Sommer, Sonne, Sonnenbrand

Wir haben mal wieder „unseren“ Weinberg in Oestrich-Winkel besucht. Das Dorf selbst ist vom Weinbau geprägt: An jeder Ecke erinnert eine Bemalung oder eine kunsthandwerkliche Arbeit an Wein. Das Rheingau ist ein wichtiges Zentrum für Weinbau in Deutschland: Nur ein Dorf weiter in Geisenheim befindet sich die Hochschule für Önologie. Hier kommen junge Winzer*innen aus ganz Deutschland zusammen, um sich intensiv mit Wein zu beschäftigen.

Wir bleiben in Oestrich-Winkel und befassen uns intensiv mit unserem Wein

Es ist Hochsommer und es ist trocken. Sonne tut den Trauben einerseits gut, aber zu viel des Guten ist leider auch nichts. Es geht mal wieder um das richtige Gleichgewicht. Dazu wird ein Teil der Blätter weggeschnitten, damit die Trauben mehr Sonne bekommen. Etwas Schatten ist aber auch wichtig, denn sonst erleiden die Trauben einen „Sonnenbrand“.  Das betrifft im Wesentlichen die Rebenseite, die zur Mittagzeit direktes Sonnenlicht abbekommt. Durch zu viel Sonne bekommen die Trauben dunkle Stellen auf der Haut und trocknen komplett aus.

Auch der Boden muss vor Trockenheit geschützt werden. Dafür wird der Boden wahlweise gemäht, gemulcht oder beackert. Derzeit gibt es keine hohe Bepflanzung zwischen den Reben. Um den Boden wieder zu schützen werden Roggen und Weizen als Bodendecker gesät. Nicht in jeder Reihe, nur in jeder zweiten wird ausgesät, um auch hier ein Gleichgewicht aus Schutz vor Sonne und Wasser-Konkurrenz herzustellen.

Links: Hand mit trockener Erde. Rechts: Ein Tracker zwischen Rebenreihen

Weniger ist mehr

Ein weiterer wichtiger Arbeitsschritt wurde kürzlich vollzogen. Der Ertrag wurde durch das Beschneiden der Trauben reduziert. Dabei bleibt nur die Schulter, also der obere breite Teil einer Traube hängen, so dass sich die Kraft der Rebe in weniger Früchten konzentriert.

Weniger ist beim Wein oft mehr, zumindest mehr Qualität. Aus diesem derart konzentrierten Traubensaft entstehen dann im Keller die hohen Qualitäten der „Ersten Lage“ oder der „Grossen Lage“.  Richtig, was zählt ist „Lage, Lage, Lage“ denn die bestimmt über den Boden und das Mikroklima den Charakter eines Weines wesentlich mit.

Wir sind gespannt auf die Entwicklung unserer Trauben aus dem Jesuitengarten. Für Ende September haben wir bereits einen Termin zur Lese anvisiert um selbst mit anzupacken.

Graffiti einer Weinrispe
So wird man in Oestrich-Winkel am Bahnhof begrüßt