BROT TRIFFT KERAMIK

Die Vereinigung von Brot und Keramik begegnet uns alltäglich, meist schon am Frühstückstisch. Auch der Anblick wie Brot von Lebensmittel für den Menschen zum Habitat von Schimmelpilz wird, ist keine Seltenheit. Von Pilzsporen durchzogenes Brot landet nicht nur im Haushalt, sondern oft auch direkt aus dem Supermarktregal im Abfall.

Verschmelzung von Keramik und Brot, neue Schalen
Eine neuartige Glasur für Keramik ist entstanden

Wie kann dieses Brot weiterverwendet werden? Wie kann eine neue Verbindung von der biologischen Materie des Brots und seines Verfalls mit der geologischen Materie der Keramik entstehen?

AUS SCHIMMEL WIRD SCHÖN

Keramik und die dahinter stehenden Prozesse faszinieren uns. Für die Herstellung werden die sogenannten Scherben meist zweimal bei Temperaturen von bis zu 1280°C hochgebrannt. Dabei verbrennen bei diesen Temperaturen organische Bestandteile normalerweise rückstandslos. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht wollten wir herausfinden. Der Ausgangspunkt unseres Experiment war Brot, das durch einen beginnenden Schimmelbefall nicht mehr für den menschlichen Verzehr nutzbar war. Statt es zu entsorgen, ließen wir die Brote und ihre Pilze in einem noch leicht feuchten gedrehten Gefäß freudig gedeihen. Nach einiger Zeit im neuen Zuhause, konnten wir den Brotscheiben ihr ursprüngliches Brotdasein kaum mehr ansehen. Vielmehr erinnerten sie uns nun an grüne Landschaften. Nach dem Brennen dieser Gefäße – inklusive ihrer Landschaften – erwartete uns eine neue Überraschung.

Wider allen Aussagen und Erfahrungen der erfahrenen Keramiker verbrannten nicht alle organischen Bestandteile. Das Ergebnis ist vielmehr eine Verschmelzung von Brot und Gefäß. Es entstehen Schalen, die die Rückstände des Brotes wie eine »Essenz« aufgenommen haben. Struktur und Optik der entstehenden Oberfläche erinnern in ihrem visuellen Erscheinungsbild an CO2-Blasen, die während einer Gare aus dem Teig aufsteigen.

Ebenfalls in diesem Prozess entsteht der Glanz ebenfalls im Brennprozess. Üblicherweise wird der Glanz auf der Keramik dabei durch Glasur erzeugt. Die dort enthaltenen Glaspartikel werden im Brand auf die Keramik aufgeschmolzen. Trotz Ästhetik entsteht hierbei ein großer Nachteil der Keramik – das Recycling. In Kombination mit Glasur wird die sonst organische Keramik zu Sondermüll. Im Ansatz der »Schimmelschalen« träumen wir davon einen Weg zu finden, einmal ein recyclebares Objekt mit glasur-ähnlicher Oberfläche herzustellen. Und vielleicht können wir in den Schalen bald unser eigenes Sauerteigbrot anrichten.

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