Die Kunst der Verpackung

Was hat Kunst mit Verpackung zu tun? Dabei denkt man zunächst vielleicht an das Künstlerpaar Christo und Jean Claude, die Objekte wie z.B. den Reichstag verpackt haben. Uns geht es aber auch um die verpackten Inhalte – in unserem Fall Lebensmittel. Um über Zusammenhänge von Kunst und Essen nachzudenken waren wir zu Besuch in Basel.

Slavs and Tatars, Pickle Tits, 2018 – Museum Tinguely, Basel

Museum Tinguely in Basel

Die Ausstellung Amuse bouche im Museum Tinguely (kuratiert von Annja Müller-Alsbach) versammelt Arbeiten, für die Künstler*innen sich theoretisch mit Geschmack auseinandergesetzt oder ganz praktisch Lebensmittel verarbeitet oder aber auch verpackt haben.

Die Verbindung von Konsum und Kunst vertritt kaum jemand besser als Andy Warhol.
Er hat als Werbegrafiker gearbeitet und Verpackungen wurden bei ihm zum Sujet seiner Kunst. Warhol hat es sogar geschafft Markenbotschaften zu verdrehen. Wer heute eine Dose Campbells Suppe sieht, denkt nicht mehr nur an eine Suppe, sondern auch an Kunst und Andy Warhol. Er hat die Oberflächen von Konsumprodukten für seine Kunst entdeckt und daraus seine eigene Marke gemacht. Wie gesagt geht es uns aber auch um die Inhalte. Warhol mag selbst viel Campbells Suppe gegessen haben aber mit den Inhalten hat er sich im Rahmen seiner künstlerischen Praxis weniger beschäftigt. Ganz anders Daniel Spoerri. Der hat mit seinen Fallenbildern die Eat Art etabliert und außerdem eigene Bankette konzipiert, ein Restaurant betrieben und künstlerische Speisen serviert. Für manche Aktionen hat er diese auch verpackt, bzw. verpacken lassen, wie die eigene Linie Restaurant Spoerri Suppen.  

Elizabeth Willing nutzt für Pick-me-up (kinder) Fortlaufend seit 2016, verpackte Produkte für ihre Installation. Was aussieht wie moderne minimalistische Kunst ist eine partizipative Arbeit, die Besucher dazu auffordert, die Schokolade zu Essen. Ein spezieller Adventskalender, der geschmackliche mit visuellen Eindrücken verbindet.

Essen kann Leben oder Tod bedeuten

Die Macht von Verpackungsdesign führt Damien Hirst in The last Supper vor. Für diese Serie hat er den Hinweis von Hippokrates „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein“ grafisch umgesetzt und Lebensmittelverpackungen im Stile von Medikamenten gestaltet. Das wirkt bedrohlich und letztlich geht es beim Essen immer auch um Leben und Tot.

Cildo Meireles nutzte die Markenmacht von Lebensmitteln in bedrohlichen Zeiten der Militärdiktatur in Brasilien und platziert auf Cola Flaschen politische Botschaften im Stile der original Beschriftung. Insertions into Ideological Circuits: Coca-Cola Project 1970. Subtil und auf den ersten Blick kaum sichtbar bringt er dadurch seine kritische Haltung als Flaschenpost in Umlauf.

Der Sauerkrautsaft Automat von Slavs and Tatars
Slavs and Tatars, Brine and Punishment, 2019 – Museum Tinguely, Basel

Flaschen sind politisch. Das zeigt auch das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars mit Brine and Punishment. Ihr Getränkeautomat offeriert Sauerkrautsaft. Es geht um Pickle Politics. Denn politische Prozesse zeigen parallelen zum Fermentieren: Je nach Umgebung werden Dinge aber auch Menschen sauer. Sie verändern sich und ihre Umwelt. Es gärt, etwas wird zersetzt und abgebaut, um etwas Neues entstehen zu lassen.

Sufferhead

Neu ist auch diese Flasche Bier.
Emeka Ogboh hat mit Sufferhead ein Bier entwickelt und mit gängigen Marketingmitteln beworben. Doch Sufferhead ist nicht irgendein weiteres Bier auf dem Markt. Sufferhead thematisiert Heimat, Fremde, Integration und das Zusammenleben verschiedener Kulturen.
Die Zutaten ergeben sich aus den Erfahrungen von Migranten. Was sind die Geschmäcker der Heimat, welche prägen ihren neuen Aufenthaltsort?  Reinheitsgebot, kühles Blondes? Ogboh nutzt die Klischeehafte Vorstellung der Konsumenten sowie die Klischeehafte Darstellung und Sprache der Werbewelt und greift mit diesen oberflächlichen Mitteln komplexe Themen auf.

Die Verpackung ist manchmal gewichtiger als der Inhalt und Werbung kann mehr als gedacht. Für uns eine wichtige Perspektive, die anregt über die eigene Arbeit nachzudenken.

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