AUFJETISCHT

Zwei gegenläufige, aber gleichzeitig wachsende Bewegungen prägen die deutsche Esskultur aktuell: Auf der einen Seite die Sehnsucht nach Vertrautem und Gewohntem. Auf der anderen Seite entwickelt sich ein neues Selbstverständnis von gesunder Ernährung. Wir haben für euch aufjetischt.

Klassiker – neu angerichtet.

Das, was Foodtrend-Analyst*innen als “Newstalgia” bezeichnen, ist der Wunsch nach Geborgenheit in Form von heimeligen Gerichten, wie früher bei Omma. Gleichzeitig haben sich fleischfreie Alternativen mittlerweile so etabliert, dass sie laut dem KPMG Consumer Barometer 2026 in 29,6% aller deutschen Warenkörbe vertreten sind. Der Ernährungsreport 2025 des Bundesministeriums (BMLEH) bestätigt den Trend: 37 % der Deutschen bezeichnen sich mittlerweile als flexitarisch. Sie reduzieren ihren Fleischkonsum bewusst, verzichten aber nicht kategorisch.


Auch die Art und Weise, wie Menschen in Deutschland zusammenleben, kochen und essen, hat sich grundlegend verändert. Während 1950 noch knapp ein Fünftel aller Haushalte von Einzelpersonen bewohnt wurden, macht die Single-Kultur heute über 40 % der Haushalte aus. Aus der klassischen Großfamilie ist eine Gesellschaft von Solistinnen und Solisten geworden – mit spürbaren Folgen für die Alltagskultur: Wer allein lebt, hat selten Lust, stundenlang für sich selbst am Herd zu stehen, Rouladen zu rollen oder über Tage hinweg einen Sauerbraten zu marinieren. Klassische Hausmannskost ist historisch auf große Runden ausgelegt, nicht auf den Feierabend für eine Person.

Das Konzept.

In dieser Schnittmenge von verschiedenen Entwicklungen setzt aufjetischt an. In unserer „Future Products“-Serie beschäftigen wir uns mit Konzepten, die bestehende Routinen hinterfragen und neu denken. Ein Future Product muss dabei nicht laut oder disruptiv sein. Manchmal reicht eine kleine Verschiebung im System. Das Konzept ist eine mögliche Antwort auf ein sehr reales Problem: der Wunsch nach Vertrautem und echtem Geschmack im modernen Single-Alltag. Es nimmt sich große Gerichte der deutschen Küche vor und baut sie von Grund auf pflanzlich neu – nicht als vereinfachte Ersatzprodukt-Variante, sondern mit derselben handwerklichen Sorgfalt wie das Original. Es wird mariniert, geschmort, gefüllt und reduziert. Gegessen werden kann allein auf der Couch bei der Lieblingsserie, aber auch in der Gruppe, beim spontanen Gathering.

Die Rezepte.

Die drei Startgerichte decken typische Sehnsüchte ab:

Klopse: Königsberger Klopse auf Linsen- und Seitanbasis, abgerundet mit gerösteten Zwiebeln, Senf und Hefeflocken für eine tiefgehende Umami-Note. Die cremige Sauce basiert auf Cashewcreme, verfeinert mit Zitrone, Lorbeer und reichlich Kapern.

Sauerbraten: Zarte Jackfruit, über Nacht in einer klassischen Rotwein-Apfelessig-Marinade geschmort, deren faserige Struktur verblüffend nah an traditionelles Schmorfleisch heranreicht. Dazu Champignons, ein Hauch Rübenkraut und als moderner Kontrast ein cremig-oranger Süßkartoffelstampf.

Rouladen: Zart angebratene Auberginenscheiben umhüllen eine herzhafte Füllung aus Räuchertofu, roten Linsen, Karotten und Tahini. Geschmort in dunklem Gemüsefond und Rotwein, klassisch serviert mit Rotkohl und Kartoffelklößen.

Die Verpackung.

Statt auf klassische Kunststoff-Trays setzt aufjetischt auf geformte Zellstofffasern (Formfaser). Das Material ist tiefkühltauglich, hält der Hitze von Ofen oder Mikrowelle stand und kann nach dem Essen im Papiermüll entsorgt werden. Die Schale dient dabei direkt als ästhetisches Geschirr – kein Umfüllen, kein zusätzlicher Abwasch.

Verschlossen wird die Schale durch eine Mono-PP-Folie und mit einer Papierbanderole umschlossen. Durch die Sortenreinheit (Mono-Materialien statt schwer trennbarer Verbundstoffe) fügt sich die Verpackung nahtlos in die Vorgaben der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) ein. Die Form ist genau auf die Realität junger urbaner Haushalte abgestimmt: Das schmale Format passt perfekt in das Türfach gängiger Gefrierschränke, eine praktische Ecke ermöglicht das mühelose Aufreißen der Folie vor dem Erhitzen.


Als Future Product zeigt aufjetischt, wie sich gleich mehrere Strömungen unserer Zeit gleichzeitig adressieren lassen: der Wandel unserer Haushaltsstrukturen, der Wunsch nach Gemütlichkeit, und der Aufstieg pflanzlicher Ernährung. Nicht durch Verzicht oder Verkomplizierung, sondern durch ein gutes Bauchgefühl. Ein vertrauter, warmer Moment – und dann geht es weiter.