Cradle to Cradle – tresta® by Katharina Hölz

Nein, sie lieben ihn nicht. Er ist lästig. Restmasse, Überbleibsel, Abfall. Aber irgendwo muss er ja hin, der ungeliebte Trester.

Das, was übrigbleibt, nachdem die Trauben gekeltert wurden. Sie, die Winzer, könnten daraus den gleichnamigen Schnaps brennen. Aber so viel vermögen die Menschen gar nicht zu trinken, um sämtlichen Trester hochprozentig verwerten zu können. Allein in Deutschland fallen jährlich 200 000 Tonnen Traubenpressrückstände an. Also entsorgen die Winzer ihre Kerne, Stängel und Schalen. Am besten im eigenen Weinberg. Bringt eigentlich nichts, schadet aber auch nicht.

Katharina Hölz hatte eine bessere Idee. Sie studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule Trier. Im Rahmen ihres Master-Projekts forschte sie über nachhaltige Ressourcen, und zwar über regiontypische, die nicht gebraucht werden und wie Sand am Meer vorhanden sind. Und das im wörtlichen Sinn: Sie hatte gelesen, dass Designer aus der Küstenstadt Shanghai aus Sand Hocker herstellen. Warum sollte Vergleichbares nicht in ihrer Heimatregion möglich sein! Trester gibt es an der Mosel schließlich genug. Was folgte, war eine intensive Suche. Denn damit aus Trester ein verarbeitungsfähiges Material werden kann, braucht es einen Verbundstoff. Und der war gar nicht so leicht zu finden. Es begann ein monatelanges Laborieren und Ausprobieren im heimischen Keller.

„Wir sollten anfangen in geschlossenen Kreisläufen zu denken – es gibt keinen Abfall, nur Biomasse, die genutzt werden will. Deshalb war es mein Anspruch, neue Materialien und Produkte zu entwickeln, die natürlich nachwachsend und biologisch abbaubar sind.“ Katharina Hölz


Wichtig war ihr, dass auch das Bindemittel natürlichen Ursprungs und biologisch abbaubar ist. In zahlreichen Experimenten kristallisierten sich vier Werkstoffe heraus, die unabhängig voneinander mit Trester harmonieren: Bienenwachs, Carnaubawachs, Zeitungspulpe und Biokunststoff. All diese Verbindungen tragen den Namen tresta®. Mit diesen Kompositmaterialien entwickelte Katharina Hölz mehrere Produkte. Zum Beispiel eine Lampe und einen Weinkühler, die aufeinandergesetzt die Form einer moseltypischen Schlegelflasche ergeben. Oder Wandkacheln, die das Relief der Terrassenmosel in abstrahierter Form wiedergeben – nicht nur in Weinstuben ein Hingucker. Auch schuf sie aus tresta® organische Verpackungen. So findet das Kellnermesser zum Öffnen von Weinflaschen seinen Platz in einer „weinhaltigen“ Schachtel. Auf diese Weise wurden aus dem scheinbar wertlosen Trester Gebrauchsgegenstände von Wert. Diese überzeugen auch in ästhetischer Hinsicht. Das wird Katharina Hölz von Jurys renommierter Designwettbewerbe bestätigt. Seit Abschluss ihres Master-Projekts im Sommer 2017 konnte sie serienweise Preise einheimsen. So wurde sie Red Dot Award Winner 2018 für Product Design, war German Design Award Nominee 2018, erhielt eine besondere Anerkennung beim Lucky Strike Junior Designer Award und gewann den Designpreis des Landes Rheinland-Pfalz in der Kategorie „Produktdesign Design Talents / Design Studies & Research“. Zuletzt setzte sie sich im Frühjahr 2020 im Segment Material des Green Product Awards gegen internationale Einreichungen aus 25 Nationen durch. Natürlich wurde auch die Presse auf sie aufmerksam. Mehrere Artikel erschienen, und in der Folge erhielt Katharina Hölz eine Reihe von Anfragen, wo es denn die Tresterprodukte zu kaufen gäbe.

Angesichts einer solchen Resonanz reifte in ihr der Gedanke, mit tresta® auf den Markt zu gehen. An dieser Stelle kommt die Frankfurter Agentur für Food Packaging, MILK., ins Spiel. Deren Gründer und Geschäftsführer Andreas Milk versteht sein Unternehmen als „Innovation Lab“, also als Ort, wo zukunftsweisende Ideen ausprobiert werden. Als sich die frisch gebackene Master-Absolventin im Herbst 2017 Herbst als Verpackungsdesignerin in seiner Agentur bewarb, war für ihn klar, dass sie perfekt ins Team passt. Zudem erkannte Andreas Milk das Potenzial, das in tresta® lag. Daher war es für ihn keine Frage, es seiner neuen Mitarbeiterin zu ermöglichen, neben ihrem Beruf ihr Projekt voranzutreiben. In der Praxis sieht dies so aus, dass Katharina Hölz vier Tage in der Woche für die Agentur im Einsatz ist. Den fünften Werktag nutzt sie, um ihre Produkte marktreif zu machen, Prototypen zu erstellen, Akquise zu betreiben, Verhandlungen mit interessierten Fachhändlern, Winzern und Gastronomen zu führen und so die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Verkaufsstart von tresta® ein Erfolg wird.