Closed Loop für alles?
Warum gibt es überhaupt noch Einweg-Verpackungen? Die Kritik vieler Umweltschützer*innen richtet sich immer wieder an die Industrie, die Verpackungen produziert, deren Gebrauch aus Konsumentensicht oft nur wenige Sekunden dauert. Wäre es nicht viel sinnvoller, Verpackungen die technisch noch einwandfrei wieder funktionieren, in den Kreislauf zurückzuführen?

Im Rahmen eines Projekts mit dem Namen Loop arbeiteten Procter & Gamble, Unilever, Nestlé, PepsiCo, Danone, Mars Petcare, Mondelēz International und andere Konsumgüterriesen gemeinsam mit dem Startup TerraCycle an so einer Lösung, die Abfall zukünftig begrenzen sollte. Dabei handelte es sich um eine ganz neue Art des Einkaufens, in der Mehrwegverpackungen die Hauptrolle spielten. Hunderte Artikel – von Tide-Waschmittel über Pantene-Shampoo bis hin zu Häagen-Dazs-Eiscreme – wurden in wiederverwendbaren Behältern angeboten. Nach dem Gebrauch der Produkte stellten die Kunden die leeren Behälter in die Loop-Tasche vor ihre Haustür, um sie abholen, reinigen, neu befüllen und wieder ausliefern zu lassen. Mit anderen Worten: Der Milchmann des 21. Jahrhunderts sollte die Welt vor Einwegplastik retten.
Nach den ersten Pilotphasen hat sich die Ernüchterung jedoch breitgemacht: Während Partner wie Tesco in Großbritannien ihre Tests nach einem Jahr beendeten und auch geplante Großexpansionen mit Carrefour in Frankreich oder Walmart in den USA ins Stocken geraten sind, wurde das ursprüngliche Online-Direktliefermodell weitgehend eingestellt. Die extrem hohe logistische Komplexität, teure Reinigungsverfahren und eine verhaltene Nachfrage der Konsumenten bremsten den Durchbruch im Massenmarkt aus.
Statt auf den flächendeckenden Paketversand über Lieferdienste setzt Loop inzwischen vor allem auf Nischenlösungen und punktuelle Kooperationen im stationären Handel sowie in der Systemgastronomie. Das ambitionierte Ziel, den globalen Supermarkteinkauf nachhaltig zu revolutionieren, bleibt damit vorerst eine lehrreiche, aber unvollendete Vision.
Damit ein Mehrwegsystem auch im breiten Einzelhandel funktioniert, müsste man sich vom Marken-Individualismus verabschieden: Statt dass jeder Hersteller seine eigenen, aufwendigen Designer-Gefäße nutzt, braucht es herstellerübergreifende Standard-Formate, wie schon in unserem “Pool” Szenario beschrieben. Stellen wir uns einen Supermarkt vor, in dem Trockengüter wie Reis, Müsli oder Waschpulver in einheitlichen, stapelbaren Norm-Behältern im Regal stehen. Der Kunde gibt diese einfach an jedem beliebigen Pfandautomaten ab – egal wo gekauft. Die Logistik wird dadurch drastisch vereinfacht, da die leeren Behälter direkt bei regionalen, spezialisierten Spülzentren gebündelt, gereinigt und dem nächsten lokalen Produzenten zugeführt werden. Erst wenn Mehrweg für den Verbraucher genauso bequem ist wie Plastikmüll und die Infrastruktur von der gesamten Branche geteilt wird, schlägt Nachhaltigkeit die Bequemlichkeit.