Packaging Heute

Paperisation.

Paperisation - Hochbarriere-Papiere als Kunststoffersatz
Nestlé YES! war 2019 ein Vorreiter auf diesem Gebiet – verpackt in Sappi Hochbarrierepapier als Primärverpackung

Zwei große Einflussfaktoren haben dazu geführt, dass Kunststoffverpackungen immer häufiger durch Zellulose-basierte Alternativen ersetzt werden. Einerseits sprechen wir von einer Paperisation, getrieben durch den Wunsch der Verbraucher die Papierhaptik zu spüren. Oder anders herum, die Haptik von Kunststoff zunehmend abzulehnen. Die wärmere, organischere Haptik ungestrichener Naturpapiere liegt im Zeitgeist. Ihre Ästhetik ist es, die Produkte attraktiver für Verbraucher macht.

Andererseits ist der Wechsel auf nachwachsende Rohstoffe natürlich ökologisch motiviert. Virgin Plastic wird es nicht mehr ewig geben und das effektive, werkstoffliche Recycling von Kunststoffen aus dem gelben Sack, mag mit ca 60% Quote 2019 (Tendenz steigend) nicht mal in Deutschland so recht gelingen. Während der Großteil der Industrie mit Hochdruck an einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe arbeitet, haben sich andere auf den Weg gemacht, um Kunststoff fast ganz zu vermeiden. Alfred Ritter zum Beispiel hat dies strategisch fest verankert und ist nun mit der sukzessiven Umsetzung beschäftigt. Wir durften dies im Rahmen des Ritter Sport mini Relaunches gestalterisch begleiten und finden ebenfalls Gefallen an dem Gedanken, Kunststoff durch sogenannte Hochbarriere-Papierverpackungen zu ersetzen.

Paperisation - Hochbarriere-Papiere als Kunststoffersatz
2021 folgte Ritter Sport mit einer Sekundärverpackung aus Papier, wo vorher noch Kunststoff benutzt wurde. Im Zuge dieses Relaunches wurden nicht nur große Mengen Kunststoff eingespart, sondern auch der Papierverbrauch im Vergleich zur vorherigen Tray-Verpackung deutlich reduziert. Bis 2025 möchte Alfred Ritter auch die Primärverpackung auf Hochbarriere-Papierverpackungen umstellen.

Überall dort, wo die Barriereanforderungen es erlauben, kommen die neuen Hochbarriere-Papiere von Firmen wie Koehler oder Sappi ins Spiel. Diese ersetzen Kunststoff dank einer hauchdünnen Barriereschicht, welche beim Papier-Recyclingprozess zuverlässig abgetragen werden kann. Es handelt sich der Definition nach nicht um ein Verbundmaterial, weil >95% der Verpackung aus Papierfaser besteht. Der Rest sind Beschichtung, Druckfarbe, gegebenenfalls Lacke.

Es bleibt also die letzte Aufgabe bei dieser sehr vielversprechenden Verpackungslösung, die Mikro-Plastik Frage zu beantworten, weil beim Recycling der Materialien die Beschichtung irgendwo hinmuss. Verschiedene Institute haben die Papiere aber sehr gut kreislauffähig bewertet – also im blauen Papierkreislauf.

Möglich wird diese Verpackungslösung durch Papiere wie das Koehler NexPlus Seal oder Sappi Avantguard. Ihre Barriere-Eigenschaften sind gut, häufig gut genug – aber natürlich nicht 1:1 in jedem Anwendungsfall dazu in der Lage, Kunststoff zu ersetzen. Wo es möglich ist, sollte man es tun und die Barrieren werden sicher in den kommenden Jahren noch besser.

Best practice: Ritter Sport minis, Nestlé YES!

Bildquellen: Alfred Ritter, Nestlé